OB-Wahl Böblingen 2018

OB-Wahl in Böblingen: Stefan Belz gibt den Herausforderer

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    "Es ist Zeit für einen Wechsel an der Rathausspitze", meint Dr. Stefan Belz / Foto: Ruchay-Chiodi

"Böblingen kann mehr", lautet das Motto, mit dem Dr. Stefan Belz in den Böblinger Oberbürgermeister-Wahlkampf zieht. Der Stadtrat der Grünen will bei der Wahl am 4. Februar Amtsinhaber Wolfgang Lützner ablösen. Und rechnet sich gute Chancen aus, dass ihm das Vorhaben gelingen kann.

Artikel vom 15. Dezember 2017 - 15:55

Sieben Jahre Engagement in der Kommunalpolitik, davon vier als Stadtrat der Grünen, haben Belz zum Entschluss kommen lassen, dass es ein "Weiter so" in seiner Heimatstadt Böblingen nicht geben darf. "Es ist Zeit für einen Wechsel an der Rathausspitze", meint der 37-Jährige bei der Vorstellung seines Wahlprogramms am Freitag. "Seit Jahren ist nicht klar, welche Ziele der Amtsinhaber verfolgt. Er reagiert nur, agiert nicht."

Themen wie die Schaffung bezahlbaren Wohnraums, die Sanierung von Kindergärten und Schulen oder Verkehrsplanung würden vom Oberbürgermeister nur zögerlich angegangen. "Es fehlt frischer Wind, die menschliche Begegnung mit der Bürgerschaft, das Formulieren von Zielvorgaben und das beharrliche Arbeiten an deren Umsetzung", erklärt Belz. "Nachhaltige Stadtpolitik sieht für mich anders aus."

Wie sich der Ingenieur der Luft- und Raumfahrttechnik, der bei der Universität Stuttgart als akademischer Angestellter tätig ist, diese vorstellt, hat er in einem Flyer zusammengefasst. Darin steht, dass er sich in verschiedenen Punkten für mehr Lebensqualität in Böblingen stark machen will. Diese ließe sich unter anderem erreichen, wenn der Verkehr besser organisiert werden und nachhaltiger Klimaschutz betrieben würde. Die Sanierung von Schul- und Kita-Gebäuden will er zügig und vorrangig vorantreiben, ein günstiges Stadt-Ticket für den öffentlichen Personennahverkehr einführen, eine kluge Stadtentwicklung am Schlossberg und in Dagersheim betreiben und dafür sorgen, dass die Luft sauber ist. "Momentan gibt es keine Zielvorgaben, wie wir unseren Verkehr organisieren wollen. Dabei ist klar, dass wir, wenn wir so weiter machen, rund um die Uhr Staus haben werden", meint Belz. Insbesondere beim Ausbau des Radwegenetzes werde Flickschusterei betrieben. Auch existiere nach wie vor kein vernünftiges Park-Leit-System.

Überschrift Nummer zwei lautet: "Für eine soziale Stadtgesellschaft". Darunter aufgelistet sind Ziele wie "gerechte Kita-Gebühren", "mehr Treffpunkte für Jugendliche", "neue Richtlinien zur Bürgerbeteiligung", "Stärkung des ehrenamtlichen Engagements" und "wertschätzender Umgang in Verwaltung und Bürgerschaft". Belz, der als überparteilicher Kandidat antritt - und nach eigenen Angaben auch auf Unterstützung aus Reihen der SPD und der Freien Wähler zählen darf, möchte ein Bürgerbeteiligungsformat, das funktioniert. Konflikte wie zuletzt bei der Galgenberg-Bebauung hätten sich vermeiden lassen, wenn man die Bürgerschaft früher und anders mit in die Planungen eingebunden hätte. Ein anderes Thema, das aufzeige, dass mit der Bürgerschaft anders umgegangen werden müsse, sei der Konflikt über die Fernwärmepreise. "Hier sehe ich ein ganz klares Versagen des Oberbürgermeisters als Vorsitzendem des Aufsichtsrats der Stadtwerke", sagt Belz, der selbst Aufsichtsratsmitglied ist. Er kritisiert den Umgang mit der IG Fernwärme, dass in den Handlungen kein roter Faden erkennbar sei. "Wie will er den Konflikt befrieden? Da sehe ich nichts", so Belz. "Im Moment ist es nur ein Verstecken hinter dem laufenden Kartellamtsverfahren." Sollte er die OB-Wahl gewinnen, würde er einen Schlichtungsprozess zwischen IG, Stadtwerken und Gemeinderat einleiten.

In einem dritten Kernthema widmet er sich der Förderung einer "innovativen Wirtschaft". Hier schlägt er ein jährliches Zukunftsforum für Innovation und Digitalisierung vor, möchte ein Flugfeld, das als "Vorbild für die Mobilität für morgen" steht, wünscht sich den "Einzelhandel als Partner für attraktive Plätze und Straßen" und will Böblingen durch ein attraktives Kultur- und Gastronomieangebot "erlebbar" machen.