Erdhebungen

Erdhebungen: Die letzten vier Bohrungen in Böblingen werden saniert

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    Vororttermin: Die von den Erdhebungen betroffenen Hausbesitzer schauen zu, wie die defekten Geothermiebohrungen im Schliffkopfweg abgedichtet werden Foto: Simone Ruchay-Chiodi

Die Sanierungsexperten haben ihre Arbeit im südlichen Erdhebungsgebiet wieder aufgenommen. Im Visier sind die letzten vier Geothermiesonden, an denen die Spezialisten im Frühjahr 2016 gescheitert sind. Nach den ersten zehn Wochen herrscht Optimismus, dass dieser Einsatz erfolgreich sein wird.

Artikel vom 13. Oktober 2017 - 19:24

BÖBLINGEN. Schmierig, trüb und zäh. Diese unscheinbare ockerfarbene Flüssigkeit, die in einem Eimer im Schliffkopfweg steht, ist es, die den Sanierungsexperten viele Wochen Kopfzerbrechen beschert hat. 18 Monate lang hat dieser Brei, Fachname Thermasit, die Abdichtungsversuche der letzten Erdwärmebohrungen zum Erliegen gebracht - vier Sonden vor dem Ziel.

Das war im Februar 2016. Der Zement, der die Sondenrohre in der Schliffkopfstraße abdichten sollte, breitete sich nicht wie geplant in den Hohlräumen in rund 80 Metern Tiefe aus, sondern kam den Arbeitern plötzlich entgegen. Die Schläuche in den Sondenrohren waren dicht, die Sanierer ratlos - aber nicht ganz unkundig: Die Bohrfirma hatte vor acht Jahren bei der Herstellung der Erdsonden minderwertigen Zement in die Löcher gepumpt. Der hat sich mit Wasser und Stein im Untergrund zu der cremigen Masse verwandelt und den Sanierern das Leben schwer gemacht. Diagnose. Pfusch am Bau.

Eineinhalb Jahre hat die Firma Keller aus Südbaden, eine der weltweit wenigen, die sich mit dieser Materie auskennt, an einer neuen Methode getüftelt. Seit Anfang August sind die Spezialisten nun mit dem Plan B wieder am Start. Gestern hat der Landkreis die betroffenen Bürger zur Infoveranstaltung samt Baustellentour geladen.

Die wichtigste Botschaft hatte Peter Brandscheid vom Geotechnik-Institut Vees + Partner mitgebracht. Der Mann, der die Sanierungsarbeiten überwacht und begleitet, zeigte sich optimistisch, dass mit der neuen Technik, die restlichen Bohrungen ebenfalls abgedichtet werden können. "Der Testbetrieb funktioniert auch vor Ort", erläuterte er. Wenn weiterhin alles glatt läuft, könnte das Thema Erdsonden-Sanierung in Böblingen bis Ende des Jahre erledigt sein.

Dann, so die Hoffnung im Landratsamt, tritt auch rund um den Schliffkopfweg ein, was sich in den anderen Bereichen bereits abzeichnet: Die Hebungen gehen seit der Abdichtung deutlich zurück. Die Sanierung der Gebäudeschäden rückt somit näher (siehe Hintergrund). "Die Techniker sprechen bereits von einer Vollbremsung", freute sich Landrat Roland Bernhard gestern.

Ganz so euphorisch wollten die betroffenen Bürger diese Kunde nicht zur Kenntnis nehmen. Neben der Frage nach dem Zeitpunkt, ab wann sie ihre Gebäude renovieren können, trieb sie auch die Dauerhaftigkeit der Sondensanierung um. "Wie lange hält der Zement, den Sie jetzt verwenden", wollte ein Häuslesbesitzer wissen. Ganz genau konnte Peter Brandscheid diese Frage nicht beantworten. Bei dem Material handle es sich aber um das Beste, was auf dem Markt verfügbar sei, versicherte er. "Eine Häusergeneration" traute er dem Zement auf jeden Fall zu.

Der Landrat versicherte den Betroffenen erneut, sie im Kampf mit der Allianz um die Entschädigungssummen zu unterstützen. Die von der Versicherung zugesagten zwölf Millionen hält er für eine Summe, die verfrüht sei. Es gebe schließlich durchaus Argumente, die dafür sprächen, dass es sich um drei Hebungsgebiete handle. Dann wären mindestens 18 Millionen Versicherungssumme fällig. "Wir wollen den Druck auf die Versicherung richtig dosieren", sagte er und betonte, dass die Allianz und nicht die Steuerzahler für die fehlerhafte Arbeit der Bohrfirma aufkommen müsse.

Straßen und Kanäle: Weniger Schäden als befürchtet

Weniger betroffen von den Erdhebungen als erwartet, ist die Stadt Böblingen. Oberbürgermeister Wolfgang Lützner informierte, dass die Schäden an Leitungen, Kanälen und Straßen in der Stadt eine knappe Million betragen. Dies sei "deutlich geringer" als befürchtet. Lützner sprach von Überlegungen, diese Summe nicht gegenüber der Versicherung geltend zu machen, falls die Entschädigungssumme zu gering ist, um alle privaten Schäden zu begleichen.