Erdhebungen

Erdhebungen: Anwalt ist noch nicht zufrieden

  • img
    Die Erdhebungen haben erhebliche Schäden hinterlassen - hier Risse in einem Haus in der Altinger Straße / Foto: Archiv

Artikel vom 22. Mai 2017 - 10:54

BÖBLINGEN. Das Angebot der Versicherung steht. Wie berichtet hat die Allianz den Erdhebungs-Geschädigten in Böblingen zwölf Millionen Euro zur Behebung der Schäden in Aussicht gestellt. War's das oder liegt da noch mehr drin?

Dr. Eberhard Haaf, Anwalt der Interessengemeinschaft Erdhebungen (IGE), in der sich rund 200 Schadensopfer zusammengeschlossen haben, ist nicht unzufrieden mit dieser Botschaft. "Wir sind auf einem guten Wege", lautet seine erste Einaschätzung nach dem Vorstoß der Versicherung. Allerdings ist für den Freiburger Juristen auch eines klar: "Das war noch nicht das Ende der Fahnenstange". Haaf, Spezialist auf dem Gebiet der Geothermieschäden, möchte daher noch von keiner Einigung sprechen, sondern höchstens von einem "ersten erfreulichen Zwischenschritt".

Ausschlag für die Zahlungsbereitschaft der Versicherung waren zwei Gutachten, die die Allianz in Auftrag gegeben hat. Eine geologische Expertise wies der Bohrfirma Gungl die mangelhafte Ausführung der Erdwärmebohrungen in Böblingen nach, ein juristisches Gutachten kam zum Ergebnis, dass die Versicherung für die Verfehlungen der Firma aufkommen und der Fall in zwei Schadensfälle aufgeteilt werden muss - in das nördliche Hebungsgebiet und in das südliche Hebungsgebiet. Dafür sehen die Verträge laut Gutachter jeweils fünf Millionen Deckungssumme plus jeweils eine Million aus einer Zusatzversicherung vor.

Für Eberhard Haaf ist klar, dass die Versicherung nicht aus reiner Kulanz reagiert habe, sondern die juristischen Realitäten in diesem Fall nun anerkannt hat. "Ich habe nicht den Eindruck", sagt er, "dass die Allianz ihr Füllhorn auf dem Gnadenweg ausgeschüttet hat".

Ein dickes Fragezeichen stellt Haaf hinter die Einschätzung des Gutachters, die Hebungsvorgänge als "Serienschaden" einzuordnen. Dies erlaubt nämlich, die gesamten Erdhebungen in Böblingen, von denen rund 200 Häuser und viele Versorgungsleitungen und Straßen betroffen sind, in nur zwei Schadensfälle zusammenzufassen. "Das ist der Knackpunkt" betont Eberhard Haaf.

Denn unstrittig sei, dass Hunderte von Schadensfällen in den beiden Gebieten vorlägen. Ob diese, wie von den Gutachtern jetzt vorgenommen, zu nur jeweils einem Fall zusammengefasst werden können, müsse sich erst noch herausstellen.

Noch nicht geklärt sieht Haaf zum Beispiel, ob nicht ein drittes Hebungsgebiet zur Debatte stehe. Entsprechende Überlagerungen bei den Schadensfällen sprechen laut dem Anwalt für diese Sicht. Dann würde sich die Versicherungssumme bereits auf 17 Millionen Euro erhöhen. Auch eine Bewertung, die jede einzelne Bohrung als Schadensfall betrachtet, scheint nicht ganz ausgeschlossen. Dann wäre wohl eine Summe erreicht, die zur Abdeckung sämtlicher Schäden - Schätzungen gehen von 20 bis 50 Millionen aus - reichen könnte.

Klageweg oder außergerichtliche Einigung?

In rund zwei Wochen, hofft Haaf, kann er die Sache juristisch besser einordnen. So lange benötigt er, um die Gutachten auszuwerten. Dann möchte er sich auch wieder mit der Allianz zusammensetzen. Je nachdem zu welchen Ergebnissen dies führt, wird der Anwalt das weitere Vorgehen mit der Interessengemeinschaft abstimmen.

Ob der Weg in Richtung einer außergerichtlichen Einigung führen wird oder ob ein langer Klageweg bevorsteht, um eine höhere Versicherungssumme zu erstreiten, wollte Eberhard Haaf noch nicht vorhersagen. "Das wäre Kaffeesatzleserei", meinte er.