Erdhebungen

Erdhebungen: Zahlt Versicherung Sofortmaßnahmen?

Anwalt der Geschädigten unternimmt weiteren Vorstoß zur Einigung mit den Versicherungen

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    Tiefe Risse im Treppenhaus: Die Betroffenen hoffen, dass die Versicherung bald die Kosten für dringenden Reparaturen an ihren Häusern übernimmt / Foto: Thomas Bischof

Diese Woche bekommt die Allianz Versicherung umfangreiche Post von den Böblinger Erdhebungsopfern. Inhalt des Pakets: Dokumente, die die Schäden an rund zehn Gebäuden im Hebungsgebiet nachweisen. Mit diesen Musterfällen möchte Dr. Eberhard Haaf, Anwalt der Interessengemeinschaft Erdhebungen Böblingen (IGB), sich mit der Versicherung auf eine Entschädigung einigen, ohne dass die Gerichte bemüht werden müssen.

Artikel vom 06. Februar 2017 - 14:41

BÖBLINGEN. Zunächst, betont Eberhard Haaf gehe es darum, dass die Allianz die Kosten der Sofortmaßnahmen übernimmt, die an den beschädigten Gebäuden notwendig sind. Und zwar nicht nur für Schadensfälle, die zwischen Ende Oktober 2011 und Dezember 2014 festgestellt worden sind. Für diesen Zeitraum besteht nach Ansicht der Allianz Versicherungsschutz. Haaf möchte erreichen, dass die Allianz für sämtliche Schäden aufkommt, die seit Beginn der Geothermiebohrungen in Böblingen im Jahr 2008 aufgetreten sind. Bisher beruft sich die Versicherung für den Zeitraum von 2008 bis 2011 auf Ausschlussklauseln im Vertrag.

Die ausgesuchten Musterfälle hat Haaf nun zusammengefasst und damit ein so genanntes "Schadensabwicklungsregime" geschaffen. Die darin enthaltenen Gebäude dienen somit quasi als Vorhut zur Durchsetzung der Ansprüche sämtlicher 240 IGB-Mitglieder. "Es wäre zeitlich nicht machbar, alle Objekte gemeinsam einzureichen", sagt Haaf. Schließlich müssen Grundbuchauszüge, Gutachten und viele weitere Dokumente vorliegen, um die Schäden der Versicherung gegenüber geltend zu machen. Wenn diese sich bereit erklärt, dem Schadensregime zu folgen, so bedeute dies, dass auch die Forderungen der übrigen Hausbesitzer anerkannt werden, erklärt Eberhard Haaf.

Reicht die Versicherungssumme?

Haaf geht davon aus, dass eine Einigung bei den Sofortmaßnahmen, die er spätestens zu Pfingsten erwartet, auch die Frage der Regulierung der übrigen Schäden positiv beeinflusst. "Das ist der Einstieg", glaubt der Anwalt und sieht dann keine Probleme mehr, dass die Versicherung auch für den Ausgleich der Gebäudesanierungen aufkommt. Diese können allerdings erst starten, wenn die Erde endgültig zur Ruhe gekommen ist.

Ungeklärt ist allerdings noch, wie hoch die dafür zur Verfügung stehende Versicherungssumme sein wird. Eberhard Haaf geht mittlerweile von einer niedrigen zweistelligen Millionensumme aus. Ob dies für den Ausgleich aller Schäden ausreichen wird, kann Haaf nicht abschätzen. Dem Vernehmen nach gehen Experten von Schäden in Gesamthöhe von 20 bis 30 Millionen Euro aus.

Kein Thema ist wohl mehr der Nachweis, dass die Bohrfirma Gungl die Bohrungen nicht korrekt ausgeführt hat. Zumindest stellt laut Eberhard Haaf die Allianz die Frage nach der Schuld des Unternehmens nicht mehr. Im Herbst betonte die Versicherung noch, dass erst der eindeutige Beleg eines Fehlers der Bohrfirma zu einer Entschädigung der Betroffenen führen könne.

Keinen Durchbruch hingegen vermeldet das Landratsamt bei der ins Stocken geratenen Sanierung der letzten vier Bohrlöcher im Schliffkopfweg. Wie berichtet sind die Sanierungsexperten dort mit dem bisher angewandten Verfahren gescheitert. Momentan werden neue Werkzeuge entwickelt und Versuche in einem Bergwerk im Schwarzwald unternommen.