Erdhebungen

Erdhebungen in Böblingen gehen erneut zurück

In den betroffenen Gebieten ist Verlangsamung erkennbar

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    So sieht die Sanierung einer Erdsonde aus / Foto: Bischof/Archiv

Artikel vom 27. April 2016 - 14:55

BÖBLINGEN (red/fal). Basierend auf neuesten Auswertungen von Satelliten-Aufnahmen ging die Geschwindigkeit der Erdhebungen in den beiden Hebungsgebieten in Böblingen in den vergangenen Monaten erneut zurück. Dies teilte das Wasserwirtschaftsamt gestern im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistags mit. "Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch nicht ganz am Ende", sagte Amtsleiter Jochen Weinbrecht den Kreisräten.

Zu Beginn der Messungen waren im nördlichen Gebiet Hebungsraten von bis zu fünf Millimetern pro Monat festgestellt worden. Diese hatten sich bei der letzten Messung auf nur noch maximal zwei Millimeter pro Monat mehr als halbiert. "Die neuesten Zahlen zeigen, dass sich die Hebungen dort weiter verlangsamen, auf derzeit maximal ein bis 1,5 Millimeter pro Monat", so das Wasserwirtschaftsamt in einer Pressemitteilung.

Im nördlichen Hebungsgebiet lasse sich zum Jahreswechsel 2014/2015 der Beginn einer Verlangsamung feststellen, im südlichen Hebungsgebiet sei sie ab Juni 2015 erkennbar. Auch dort konnten die meisten Bohrungen saniert werden. Die Messergebnisse würden ebenfalls einen deutlichen Trend zur Verlangsamung der Hebungen zeigen, auch in den Bereichen, in denen noch nicht saniert worden sei. Von maximal rund drei Millimetern pro Monat in 2014 habe sich die Hebungsgeschwindigkeit zunächst ebenfalls auf rund zwei Millimeter pro Monat verlangsamt und liege nun bei maximal ein bis 1,5 Millimeter pro Monat, heißt es weiter.

Inzwischen sind 13 von 17 Bohrungen saniert. Aufgrund des Auftretens des pastösen Minerals Thaumasit musste die Sanierung der finalen vier Sonden im so genannten "Quartier III" im Schliffkopfweg vorerst aufgeschoben werden (wir berichteten). Dort, so Landrat Roland Bernhard, seien die Risiken jedoch weniger gravierend als bei den anderen zwei Quartieren.

In der Gesamtschau sei die Folge der Sanierung der Erdwärmebohrungen auf die Hebungen damit deutlich ablesbar: Die Hebungen verlangsamen sich in allen Bereichen. Wie bereits berichtet, hofft das Landratsamt gemeinsam mit der für die Sanierung der Sonden zuständigen Firma Keller und den Fachleuten des LGRB auch für die Sanierungen der letzten Sonden im Schliffkopfweg eine Lösung zu finden. Die dafür erforderlichen Vorarbeiten laufen auf Hochtouren. Für Anfang Mai plane der Landrat ein Schlüsselgespräch mit der Interessengemeinschaft sowie dem zuständigen Rechtsanwalt.

Für die bisherigen Maßnahmen im Zuge der Sanierung sind für das Landratsamt insgesamt Kosten von rund fünf Millionen Euro angefallen. Diese würden dem Kreis wiederum vom Land erstattet, falls von Dritten kein Ersatz zu erlangen sei. So habe das Land die Kostenerstattung in Höhe von 1,4 Millionen Euro für das Quartier I zugewiesen. Dies solle auch für das Quartier II noch in diesem Jahr geschehen. "Wir gehen davon aus, dass wir volle Kostenerstattung bekommen", so der Landrat im Umweltausschuss.

Mit den drei verschiedenen Versicherungen der insolventen Bohrfirma konnte bisher keine Einigung bezüglich der Forderungen erzielt werden (wir berichteten). Eine Aussage ob - und wenn ja: von wem - Ersatz für etwaige Schäden verlangt werden kann, sei für das Landratsamt nicht möglich. "Das ist wirklich ein Trauerspiel", sagte Landrat Bernhard. Das Landratsamt plane jedoch, weiter Druck auf die Versicherungen auszuüben.