Erdhebungen

Allianz regelt die Hebungsschäden

Versicherungen haben sich in einem Schiedsverfahren geeinigt - Zunächst gibt es zwei Millionen - Knackpunkt Schuldfrage

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    Stützen gegen den absackenden Geschossboden: Die Allianz-Versicherung hat sich für die Erdhebungsschäden in Böblingen bereit erklärt. Ob das auch zu einer raschen Entschädigung der Betroffenen führt, bleibt abzuwarten Foto: Simone Rucha-Chiodi

Ein Anfang ist gemacht: Die Versicherungen haben sich geeinigt, dass die Allianz die Deckung der Erdhebungsschäden übernimmt. Ob die Betroffenen in vollem Umfang entschädigt werden, sollen jedoch noch weitere Gutachten zur Schuld des Bohrunternehmens klären. Zunächst gibt es zwei Millionen Euro für die Geschädigten.

Artikel vom 12. Oktober 2016 - 14:50

BÖBLINGEN. Von einem Durchbruch mochte Mathias Scheuber, Schaden-Vorstand der Allianz Versicherung, gestern nicht sprechen, als er das Ergebnis des Schiedsgutachten zu den Geothermie-Bohrungen präsentierte. Scheuber nannte die Einigung der beteiligten Versicherer einen "wichtigen Schritt" in Richtung einer Lösung. Denn nun bestehe Klarheit welcher Versicherer für die Bewältigung der Schäden verantwortlich ist, für welchen Zeitraum dies gelte, und dass es Verpflichtungen gebe, die von einer Schuld des Bohrunternehmens abhängig sind und welche, die unabhängig davon bestehen.

Wie mehrfach berichtet, war die Firma Gungl, die die schadhaften Geothermiesonden gebohrt hat, bei den Unternehmen Allianz, AIG und Württembergische versichert. Da keine der Versicherungen sich zur Begleichung der Schäden bereit erklärt hatte, haben sich die Unternehmen auf ein Schiedsverfahren geeinigt.

Das Gutachten, das von zwei renommierten Rechtsprofessoren und einer Richterin verfasst wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass die Allianz alleine für die Deckung der Schäden verantwortlich ist. Die Analyse der Verfasser zeigt auch auf, dass die Allianz im Rahmen einer Umwelthaftpflichtversicherung nur für Schäden, die im Zeitraum zwischen dem 27. Oktober 2011 und 31. Dezember 2014 erstmalig festgestellt worden sind, haftbar gemacht werden kann. Für die Zeit seit den ersten Bohrungen 2008 bis 2011 bestehen Ausschlussklauseln.

Eine umfassende Entschädigung ist damit jedoch noch nicht verbunden. Laut Einschätzung der Allianz muss dafür erst der Firma Gungl ein Verschulden nachgewiesen werden. Und davon ist man noch weit entfernt. Hhierfür bedürfe es weiterer Gutachten und wohl viel Zeit. Wie viel Zeit, darüber wollte Scheuber gestern keine Schätzung abgeben. "Da geht es um komplexe Technik", sagte er, "eine Aussage würde bedeuten, in der Glaskugel zu lesen". Der Allianz-Vorstand beteuerte allerdings, dass sein Unternehmen alles dran setze, die Schuldfrage so schnell wie möglich zu klären.

Erst wenn nachgewiesen ist, dass die Firma Gungl nicht nach dem damals gängigen Stand der Technik gearbeitet hat, wäre somit die Bahn frei für die Sanierungen der rund 100 beschädigten Häuser in Böblingen. Ob die zur Verfügung stehende Versicherungssumme zur Regulierung aller Schadensfälle reicht, wollte Mathias Scheuber gestern nicht bejahen. Diese sei gedeckelt und hänge von der Anzahl der Schadensfälle ab, erklärte er. Eine Deckungssumme wollte er nicht nennen. Die Allianz habe derzeit auch keinen Überblick über die Gesamtsumme der Schäden, sagte er. Experten gehen jedoch davon aus, dass sich diese zwischen 20 und 30 Millionen Euro bewegen wird.

Der Anwalt der Betroffenen spricht von Verschleierung

Wie es weiter geht, sollen nun Gespräche zwischen der Allianz und Dr. Eberhard Haaf, Anwalt der in der Interessengemeinschaft Erdhebungen Böblingen (IGE) organisierten Betroffenen, in den kommenden zwei Wochen ergeben. Knackpunkt hierbei wird die Schuldfrage sein. Haaf kritisierte gestern gegenüber der KRZ, dass die Allianz hierfür weitere Gutachten in Auftrag geben möchte. Eine Klärung dieses Sachverhaltes bezeichnete er als "Kampf gegen Windmühlen", der nur Zeitverzögerung bringe. Haaf sieht keine großen Probleme, die Schuld des Bohrunternehmens durchzusetzen und verweist auf entsprechende Urteile des Bundesgerichtshofes und das Landgericht Stuttgart, das vor Kurzem in einem vergleichbaren Geothermie-Schadensfall eine Schuld ohne Gutachten festgestellt habe. Dies, kündigte er an, werde er genauso in die Verhandlungen mitnehmen, wie weitere "harte Fakten". Zum Beispiel die Versicherungssumme: Die betrage pro Fall fünf Millionen, gedeckelt auf zehn Millionen pro Jahr. Nehme man die veranschlagten Jahre von Ende 2011 bis 2014, kämen da schnell 30 Millionen Euro zusammen - ein Betrag, der zur Deckung der Schäden reichen müsste.

So gut wie sicher für die Geschädigten sind zunächst einmal zwei Millionen Euro. Die muss die Allianz aufgrund einer Vertragsklausel, zu der das Land die Geothermie-Firmen im Jahr 2011 gezwungen hat, zur Verfügung stellen: Als Reaktion auf die Erdhebungsschäden in Staufen wurden die Unternehmen damals verpflichtet, Schäden auch ohne Schuld des Bohrunternehmens zu begleichen. "Dies ist für uns irrelevant und dient der Verschleierung der harten Fakten", meinte Eberhard Haaf. Im Fokus stehe einzig und alleine jene Versicherung, die sich auf eine Schuld des Bohrunternehmens beziehe.

Zufrieden, dass nun ein Schiedsspruch existiert, zeigte sich gestern Roland Bernhard. Der Landrat formulierte aber auch eine "glasklare Erwartungshaltung" an die Versicherung: "Die Allianz", sagte er, "soll keine Spielchen mehr um Kausalität führen oder die Verantwortung beiseiteschieben, sondern sich schnell zur Schadensregulierung bekennen". Genauso wie das Landratsamt mit Hochdruck an der Sanierung der Bohrungen arbeite, müsse die Versicherung mit den Geschädigten an die Regulierung der Schäden gehen. .