Erdhebungen

"Das Rumlavieren muss vorbei sein"

Erdhebungen: Das Gutachten der Geologen sorgt für Optimismus bei den Betroffenen

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    In vielen Kellern erdhebungsgeschädigter Häuser stehen Stützen. Die Hoffnung, dass die Schäden reguliert werden, ist ein wenig näher gerückt Foto: Thomas Bischof

VON MICHAEL STÜRM

Artikel vom 15. Januar 2016 - 04:46

BÖBLINGEN. Nach dem Sachstandsbericht des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) zu den Erdhebungen stehen die Zeichen bei den Geschädigten auf Optimismus. Der Spielraum für die Versicherungen wird hingegen deutlich enger.

Nachdem die Experten, wie berichtet, die letzten Zweifel weggewischt haben, dass etwas anderes als die Geothermiebohrungen für die Erdhebungen im Nordosten Böblingens verantwortlich sind, kommt nun Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen zwischen Betroffenen und Versicherern. Die Zeichen verdichten sich, dass die Versicherungen noch diesen Monat übereinkommen, wer für welche Bohrlöcher die Haftungsverantwortung übernimmt.

Nach den deutlichen Aussagen des Gutachtens scheint es auch immer wahrscheinlicher, dass die Versicherer nicht mehr umhin kommen, anzuerkennen, dass die Bohrfirma Gungl die Arbeiten unsachgemäß ausgeführt hat. Damit wären die Versicherungsunternehmen in der Pflicht, für die Schäden in Millionenhöhe zu haften, die an über 100Wohngebäuden entstanden sind.

"Für uns ist der Sachstandsbericht das Papier, auf das wir gewartet haben", sagt Werner Schubert, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Erdhebungen Böblingen (IGE). Er spricht von einem "massiven Gutachten", das alle Bereiche abdecke und keine Fragen mehr offenlasse - auch die nach der Schuld nicht. Die Fachleute vom Landesamt hätten klar nachgewiesen, dass die Geothermiebohrungen nicht ausreichend verfüllt worden seien. Dies nun weiter in Frage zu stellen hält er für reine Taktiererei.

"Das ständige Rumlavieren muss nun vorbei sein", fordert Werner Schubert und hofft, dass die Versicherungen jetzt einlenken und es nicht auf eine Klage, die die Schuldfrage juristisch klären müsste, ankommen lassen. Schubert ist überzeugt, dass auch die Richter zu keinem anderen Ergebnis kommen würden wie die Mitarbeiter des Landesamtes für Geologie. "Dieses Gutachten muss sich erstmal jemand trauen, anzupinkeln", sagt er.

Auch Dr. Eberhard Haaf, der Anwalt der IGE, sieht seine Erwartungen in dem Sachstandsbericht bestätigt. Der Jurist aus Freiburg, der auch die Erdhebungsgeschädigten in Staufen und Rudersberg erfolgreich vertreten hat, geht ebenfalls davon aus, dass die umfangreiche Expertise des Landesamtes zur Klärung der Schuld hinreichende Aussagen macht. Haaf hofft, dass das auch die Versicherungen so sehen und er dann für die IGE keine Musterklage führen muss. Dann könnte eine Schadensregulierung zeitnahe beginnen, die betroffenen Hausbesitzer würden wertvolle Zeit gewinnen. "Der Sachstandsbericht hat Schwung in die Sache gebracht", ist er sicher.

Intensive Verhandlungen mit den Versicherungen

Dennoch ist die Anerkennung der Schuld des Bohrunternehmens für Haaf zunächst der zweite Schritt, den es zu klären gilt. Zuerst, betont er, müssten die drei Versicherungen Allianz, AIG und Württembergische, bei denen die Firma Gungl zu unterschiedlichen Zeiten versichert war, klären, wer die Verantwortung für welche Geothermiesonden übernimmt. "Es nützt nichts, wenn ich über jedes Bohrloch mit drei Versicherungen verhandeln muss", erklärt Haaf.

Um dieses Problem zu klären, sei er mit den Versicherungen nun in intensiven Verhandlungen. Einem bereits erfolgten Gespräch werde diesen Monat noch ein weiteres folgen. Ende Januar erwartet Haaf ein Ergebnis. Über den Stand der Verhandlungen haben man Stillschweigen vereinbart. "Es läuft in eine gute Richtung", teilte Eberhard Haaf gestern mit.