Erdhebungen

Erdhebungen: Technische Probleme auf der Zielgeraden

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    Hilft mehr Druck? Ein Mitarbeiter testet einen Schlauch, der in eine defekte Sonde eingeführt wirdFoto: Thomas Bischof

Artikel vom 24. März 2016 - 04:42

BÖBLINGEN. Nur noch vier defekte Sonden trennen die Sanierer der Geothermiebohrungen vom Erfolg. Nun gibt es kurz vor Erreichen der Zielgeraden zum ersten Mal technische Probleme. Während der Verpressarbeiten an einer der Bohrungen im Schliffkopfweg drang zähflüssiges Material in die Sondenschläuche ein. Die Firma Keller, die die Sanierungen durchführt, hat in Abstimmung mit dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) die Arbeiten vor rund zwei Wochen unterbrochen.

Den Experten der südbadischen Firma ist es nicht gelungen, die notwendige Zementflüssigkeit zur Verdichtung in die Hohlräume rund um die Sonde zu pressen. Mittlerweile wurde die Firma beauftragt, zu untersuchen, wie die Arbeiten dennoch fortgesetzt werden können.

Laut Dusan Minic, Pressesprecher des Landratsamtes, soll versucht werden, mit mehr Druck zu arbeiten. Welche Flüssigkeit im Untergrund Probleme bereitet, ist noch nicht erwiesen. "Es gibt Vermutungen", sagt Minic. Bevor die offizielle Analyse vorliegt, werde man aber nicht öffentlich spekulieren, erklärt er.

Sicher ist hingegen, dass durch die Unterbrechung der Arbeiten der Zeitplan der Sanierungen nicht mehr haltbar ist. Ursprünglich sollten die vier verbleibenden defekten Bohrungen im Schliffkopfweg im April abgedichtet werden. Damit wären die rund fünf Millionen teuren Sanierungen abgeschlossen.

Wie's weitergeht werden die nächsten Tage zeigen. Falls die Verpressung nicht funktioniert, gäbe es Überlegungen für einen Plan B, betont Dusan Minic. Ziel sei es, auf jeden Fall auch die verbleibenden Sonden komplett zu sanieren. Deshalb gelte nun Sorgfalt vor Schnelligkeit. "Wir sind in der komfortablen Situation, dass wir bereits 13 Sonden saniert haben", meint Minic. Da auch bereits Erfolge erkennbar sind, sei der Zeitdruck jetzt am Ende nicht mehr so groß.

"Wir haben in weiten Teilen Neuland betreten"

Dass es zu technischen Problemen kommt, überrascht die Experten nicht. Dusan Minic weist darauf hin, dass das Sanierungsverfahren das technisch einzig mögliche sei und bisher nur einmal bei der Sanierung der Erdhebungen im südbadischen Staufen angewendet wurde. "Wir haben in weiten Teilen Neuland betreten", gibt Minic zu bedenken. Da müsse man mit Unwägbarkeiten rechnen.

Die Sanierer sind seit Oktober 2014 in den beiden Hebungsgebieten unterwegs. Bisher wurden ohne Probleme rund 35 000 Liter Zement-Suspension in das Umfeld der Bohrungen verpresst, um zu verhindern, dass weiterhin Wasser von dort in gipshaltige Gesteinsschichten dringt, die aufquellen, wenn sie mit Flüssigkeit in Berührung kommen.

Die Sanierungen haben, wie mehrfach berichtet, die Hebungen der Erde in den betroffenen Gebieten deutlich vermindert. Ob sich dieser Effekt auch weiter fortsetzen wird, sollen weitere Messungen zeigen, die derzeit unternommen werden.