Erdhebungen

Alle Bohrungen waren "erlaubnisfähig"

Erdhebungen: Landratsamt antwortet auf Anfrage zu angeblichen Mängeln bei Genehmigungsverfahren

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    Die Sanierung der defekten Geothermie-Sonden im Heine-Weg gelingt rascher als geplant. Laut Landratsamt waren die Bohrungen alle erlaubt / KRZ-Foto: Thomas Bischof

Gab es Mängel bei den Genehmigungsverfahren für die Erdwärmebohrungen? Die CDU-Kreisrätin Daniela Braun hatte Aufklärung von der Landkreisverwaltung gefordert. Nun kam die Antwort, es sei alles rechtens gewesen.

Artikel vom 17. Juni 2015 - 18:00

BÖBLINGEN (red/mis). Mängel bei den Genehmigungsverfahren für die Erdwärmebohrungen? Wie berichtet hat die CDU-Kreisrätin und Erdhebungs-Betroffene Daniela Braun eine Anfrage an die Landkreisverwaltung gerichtet, in der sie um Aufklärung bittet über angeblich nicht vorhandene Genehmigungen für die Bohrungen im Böblinger Heinrich-Heine Weg. Gestern hat die Kreisverwaltung, die für das Genehmigungsverfahren zuständig ist, auf das Schreiben Brauns geantwortet.

"Alle Bohrungen im Heinrich-Heine-Weg waren zum damaligen Zeitpunkt und nach der damaligen Rechtslage in der entsprechenden Bohrtiefe mit dem entsprechenden Bohrverfahren erlaubnisfähig", schreibt das Landratsamt. Anhaltspunkte für eine Ablehnung der Erlaubnis lägen nicht vor.

Richtig sei, dass die Grundstücke im Heinrich-Heine-Weg alle im Heilquellenschutzgebiet Stuttgart-Bad Cannstatt und Stuttgart-Berg liegen. Die zu Grunde liegende Verordnung solle verhindern, dass die Stuttgarter Heilquellen in ihrer Wasserqualität oder -menge beeinträchtigt werden.

Für die Bohrungen, führt die Behörde weiter aus, seien auf zwei Anzeigen der Bohrfirma hin wasserrechtliche Erlaubnisse erteilt worden, wobei eine Erlaubnis im Nachgang der Bohrung erteilt worden sei. Auf zwei weitere Anzeigen sei jedoch statt mit der formal erforderlichen wasserrechtlichen Erlaubnis, nur "im vereinfachten Verfahren agiert" worden.

Ein Verbot der von Daniela Braun angesprochenen (Grundwasser-)Stockwerksübergreifenden Bohrungen, wie dies zum Beispiel in Bayern der Fall sei, habe es zum Zeitpunkt der Bohrungen im Heinrich-Heine-Weg in Baden-Württemberg nicht gegeben. Ein solches Verbot existiere auch heute nicht, schreibt die Behörde.

Reibungslose Sanierung im Süden

Der Grund für die Erdhebungen im Quartier Süd in Böblingen sei nach wie vor die in den Erdwärmesonden im Heinrich-Heine-Weg nachgewiesenen, teilweise erheblichen Undichtigkeiten in der Abdichtung des Bohrlochringraumes, heißt es weiter. "Diese Undichtigkeiten resultieren aus einer mangelhaften Bohrausführung, die nicht der guten fachlichen Praxis und dem Stand der Technik entspricht und auch zum Zeitpunkt der Bohrausführung nicht entsprach", betont die Kreisverwaltung. Eine durchgängig dichte Verfüllung des gesamten Ringraumes sei in allen überprüften Erdwärmesonden eindeutig nicht erfolgt. Nur aufgrund dieser Undichtigkeiten könne Grundwasser in anhydrithaltiges Gestein gelangen und so zur Umwandlung von Anhydrit in Gips und das "Anhydritquellen" erzeugen, das zu den Erdhebungen führt.

Das Quellen - und damit auch die Ursache der Erdhebungen - gelte es schnellstmöglich abzustellen. "Dies ist unsere vordringlichste Aufgabe", heißt es in dem Schreiben des Landratsamtes. Zur genauen Identifizierung der Tiefenlage von quellfähigem Gestein und zur Klärung der Tiefenlage unterschiedlicher Grundwasservorkommen werde gegenwärtig im südlichen Hebungsgebiet eine tiefe Erkundungsbohrung von derzeit 63 Metern durchgeführt.

Bei den Arbeiten an den Erdwärmesonden im Heinrich-Heine-Weg sind die Sanierer im südlichen Hebungsgebiet bereits bei der siebten von insgesamt acht Sonden angekommen, teilt das Landratsamt mit. "Wir liegen damit zeitlich vor unserer Prognose und freuen uns, dass die Maßnahmen bislang so reibungslos verlaufen sind", betont die Verwaltung. Bisher wurden rund 10 800 Liter Zementsuspension nachträglich in den Untergrund verpresst. Dies zeige, dass die Bohrungen undicht waren und mit der Sanierung der richtige Weg gewählt worden sei.

Auch bei den Verhandlungen über die Schadensregulierung sieht das Landratsamt Fortschritte. Gemeinsam mit der Interessengemeinschaft Erdhebungen (IGE) sei man dabei, die Versicherungen an einen Tisch zu bekommen, um möglichst rasch weitere Schritte einleiten zu können, heißt es.