Erdhebungen

Sonden-Sanierung ab dem 13. Oktober

Erdhebungen: Kritik an Versicherung

Artikel vom 30. September 2014 - 13:06

BÖBLINGEN (mis). Seit gestern ist es offiziell: Am 13. Oktober starten die Sanierungen der ersten Geothermie-Bohrungen in Böblingen. Das gab Jochen Weinbrecht, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes im Landratsamt im Umweltausschuss des Kreistages bekannt. Begonnen wird im nördlichen Hebungsgebiet, wo die beiden tiefsten Bohrungen in der Siemensstraße bis 125 Meter ins Erdreich vordringen. Die übrigen 15 defekten Sonden befinden sich im Heinrich-Heine-Weg, im Herdweg und im Schliffkopfweg - allesamt im südlichen Hebungsgebiet. Deren Sanierung wird direkt im Anschluss, voraussichtlich im Januar, erfolgen.

Um Zeit zu gewinnen hat das Landratsamt eine so genannte "unmittelbare Ausführung" angeordnet. Das bedeutet, dass die betroffenen Grundstücksbesitzer keine rechtlichen Maßnahmen gegen die Sanierungen ergreifen können. Ein Rechtsgutachten, so Weinbrecht, sei zu der Auffassung gekommen, dass dieses Vorgehen zur Gefahrenabwehr anwendbar sei. Die Kosten der Sanierung, geschätzte 4,5 Millionen Euro, muss zunächst der Landkreis übernehmen.

Landrat Roland Bernhard versicherte den Kreisräten gestern, dass dieses Geld wieder zurückfließe. Die Gutachter hätten bestätigt, dass der Landkreis einen Anspruch auf Kostenerstattung habe. "Am Ende", betonte er, "muss der Haushalt des Landes bluten". Stuttgart müsste allerdings nur in die Bresche springen, wenn die Versicherung des Schadensverursachers nicht bezahlt.

An der übte Bernhard gestern Kritik. Der Landrat nutzte das Forum, um einen "sanften Appell" an die Allianz-Versicherung loszulassen. "Dort bezahlt man ungern", lautete seine Einschätzung. Der Konzern ziert sich dem Vernehmen nach noch, die Kosten der Sanierung zu übernehmen. Statt solcher Taktiererei wünsche er sich "ein klares Signal" Richtung der geschädigten Hausbesitzer, dass der Versicherungskonzern deren Schäden reguliere, mahnte Roland Bernhard.

Amtsleiter Jochen Weinbrecht erklärte gestern auch warum, wie von den Betroffenen gefordert, nicht an mehreren Erdwärmesonden gleichzeitig saniert wird. Neben der Geschwindigkeit gehe es auch um das Know-how (siehe Interview nebenan). Man könne nur Firmen verpflichten, die die notwendige Kenntnis haben. "Da gibt es derzeit weltweit nur ein Unternehmen", erklärte Weinbrecht: Die Firma, die auch in Staufen saniert. Die besitze nicht genügend Kapazitäten, um mehrere Sonden gleichzeitig zu sanieren.

Dass sich Böblingen vor einer heiklen Mission befindet, wollte Weinbrecht nicht bestreiten: "Ich mache drei Kreuze wenn das funktioniert", bekannte er.