Erdhebungen

Vorerst keine Bohrgenehmigungen mehr

Landrat erteilt Geothermie im Gipskeuper eine Absage - Umweltminister kommt nach Böblingen

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    Die Erdwärmebohrer (hier eine Bohrung in Hessen) müssen künftig im Kreis Böblingen ruhen, wenn sich Gipskeuper im Untergrund befindet KRZ-Foto: Archiv

Artikel vom 22. Mai 2014 - 11:24

KREIS BÖBLINGEN (red). In einem Brief an den baden-württembergischen Umweltminister Franz Untersteller kündigt der Böblinger Landrat Roland Bernhard an, keine Erdwärmebohrungen mehr in Gebieten zuzulassen, in denen Gipskeuper im Untergrund zu erwarten ist. Zudem fordert er den Minister auf, sich in den Hebungsgebieten in Böblingen selbst ein Bild von der Schadenslage zu machen.

"Alle Experten sind sich einig, dass - wie in Staufen und Rudersberg - auch in Böblingen fehlerhafte Geothermiebohrungen das katastrophale Gipskeuperquellen ausgelöst haben", heißt es im Schreiben des Landrats an den Minister. Da es keinerlei Hinweise auf andere Ursachen gäbe, sei es nun an der Zeit für den Minister sich selbst vor Ort zu informieren, so der Landrat in einer Pressemitteilung.

In einem Gespräch habe der Minister nun persönlich angekündigt, die Einladung des Landrats anzunehmen. "Für die Zusage bin ich dem Minister sehr dankbar", sagt Bernhard. Die Dimension der Schäden erfordere es, dass nun das Land schnell finanziell und personell hilft. Das beträfe vor allem eine rasche und unkomplizierte Finanzierung für die Sanierung der Bohrungen. Damit könne ein schneller Start der Sanierung ermöglicht werden. Das Landratsamt als untere staatliche Verwaltungsbehörde brauche diese Unterstützung, um die Sanierung der Bohrungen überhaupt bewältigen zu können.

Auch in "gelben Gebieten" wird zunächst nicht mehr gebohrt

Mehr noch benötigten die Geschädigten vor Ort die Hilfe des Landes. Sie könnten "ohne jedes eigene Verschulden, ihre Häuser auf Jahre hin wegen der weitergehenden Erdhebungen nicht vernünftig sanieren oder verkaufen", schreibt der Landrat an den Minister. Er fordert von Untersteller: "Überzeugen Sie bitte die Versicherer, den Geschädigten schon jetzt die Zusagen für die Übernahme der versicherbaren Schäden zu geben, um ihnen wenigstens die existenzielle Unsicherheit zu nehmen."

Zudem kündigte der Landrat dem Minister an, im Falle eines Antrags "im Gipskeuper keine neue Geothermiebohrung zuzulassen." Die vor einigen Wochen vorgestellte Ampelkarte finde keine Akzeptanz in der Öffentlichkeit.

Die Karte teilt den Landkreis, wie berichtet, in grüne, gelbe und rote Gebiete ein. In roten Gebieten sind grundsätzlich keine Erdwärmebohrungen möglich, in grünen unter Auflagen und in gelben unter weitergehenden Auflagen. Diese Einteilung will der Landrat nicht aufrecht erhalten und auch in den gelben Gebieten keine Bohrungen mehr zulassen. "Aus meiner Sicht erweisen wir der Geothermie einen Bärendienst, wenn wir sie auch dort anpreisen, wo wir sie nicht gefahrlos beherrschen", so der Landrat.

In den grünen Gebieten sollen Erdwärmeanlagen aber weiterhin möglich sein, weil sie dort ungefährlich sind. "Nach den aktuellen Schadensfällen tendiert das Antragsaufkommen für neue Bohrungen im Gipskeuper ohnehin gegen Null", schreibt Bernhard.