Erdhebungen

Bei Rot bleibt der Bohrer außen vor

Erdwärme im Kreis Böblingen: Landratsamt hat eine Ampelkarte erstellt, aus der hervorgeht, wo Geothermie genutzt werden kann

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    Der Landkreis im Geothermie-Raster: In den roten Zonen darf nicht nach Erdwärme gebohrt werden, die grünen Flächen sind unproblematisch - bei Gelb gibt's strenge Auflagen. Das Böblinger Hebungsgebiet befindet sich im gelben Bereich Foto: red

Spätestens seit sich in Böblingen die Erde hebt, wird das Risiko von Erdwärmebohr- ungen im Landkreis anders eingeschätzt. Das Landratsamt hat nun eine Karte herausgegeben, die aufzeigt, wo gebohrt werden darf und wo nicht.

Artikel vom 15. Februar 2014 - 17:06

KREIS BÖBLINGEN (red). Im Landkreis gibt es aktuell rund 640 Standorte mit Erdwärmebohrungen. "Heute darf danach nur noch dort gebohrt werden, wo selbst mögliche Fehler bei der Bohrung nicht zu einer Gefahr führen können", heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes. Auf Grundlage der Geologie im Kreis Böblingen und der Lage von Wasserschutzgebieten und des Schutzgebietes für die Heilquellen Stuttgart-Bad Cannstatt hat das Amt für Wasserwirtschaft eine Ampelkarte mit grünen, gelben und roten Gebieten entwickelt, die zeigt, wo und unter welchen Voraussetzungen gebohrt werden kann.

Jochen Weinbrecht, zuständiger Amtsleiter für den Bereich der Wasserwirtschaft, erklärt die grün-gelb-rote Ampeleinteilung: "In den grünen Gebieten können wir Erdwärmesonden in der Regel zulassen, während sie in den roten Gebieten grundsätzlich nicht zulässig sind. Differenziert zu betrachten sind die gelben Gebiete, in denen Bohrungen nur zugelassen werden, wenn strenge Vorgaben wie Tiefenbegrenzungen oder Erkundungsbohrungen eingehalten werden. Diese Auflagen können dazu führen, dass Erdwärmebohrungen sich nicht mehr wirtschaftlich durchführen lassen. Um die Sicherheit zu gewährleisten, sind sie aber zwingend erforderlich, damit insbesondere das Antreffen von Anhydrit im Untergrund auszuschließen ist."

In Sindelfingen wird unter strengen Auflagen gebohrt

Denn wenn Anhydrit mit Wasser in Verbindung gerät, wandelt es sich in Gips um und quillt auf. Dadurch kann es unter Umständen zu Erdhebungen kommen. Auch Gebiete mit komplexen hydrogeologischen Verhältnissen zählen zum gelben Bereich. "Aufgrund der Geologie besteht bei Bohrungen in den gelben Gebieten ein höheres Risikopotenzial, das im Einzelfall bewertet werden muss", so Weinbrecht. So sind zum Beispiel in Sindelfingen in der kommenden Woche Bohrungen geplant, bei denen erweiterte Auflagen erfüllt werden müssen. "Wir haben die Bohrungen, die zunächst 76 Meter tief geplant waren, auf eine Tiefe von 38 Metern begrenzt, da bis in diese Tiefe aufgrund der Kenntnisse aus bereits früher durchgeführten Bohrungen im Umfeld mit hoher Sicherheit nicht mit Anhydrit zu rechnen ist. Außerdem wird die erste Bohrung mit einem anderen Verfahren als Erkundungsbohrung unternommen, um zu belegen, dass der Untergrund tatsächlich so aussieht wie erwartet. Wir legen hier sozusagen Gürtel und Hosenträger an damit nichts verrutscht", erklärt Weinbrecht.

Mit der Karte soll wieder Vertrauen für das Verfahren geschaffen werden

"Mit der neuen Ampelkarte für den Landkreis Böblingen wollen wir wieder Vertrauen für die Geothermie schaffen", sagt Landrat Roland Bernhard. In den grünen Gebieten der Ampelkarte bestehe keine Gefahr von flächigen Schäden wie aktuell bei den Erdhebungen im Nordosten von Böblingen, da Anhydrit hier nicht in den oberflächennahen Schichten vorkomme und die Voraussetzungen für Quell- und Hebungsprozesse damit nicht vorlägen. Der Landrat betont, dass Geothermie ein wichtiger Bestandteil der Energiewende ist, die nur gelingen kann, wenn auch Projekte vor Ort umgesetzt werden und die Bürgerinnen und Bürger informiert sind. Ohne die Erzeugung regenerativer Energien sei die Energiewende nicht zu schaffen.

Für eine durchschnittliche Erdwärmesonde in einem Einfamilienhaus sind meistens zwei Bohrungen bis zu einer Tiefe von rund 80 bis 100 Meter notwendig. Das Amt für Wasserwirtschaft empfiehlt für Standorte, an denen Erdwärmesonden nicht möglich sind, alternativ dazu flache Geothermiesysteme wie Erdwärmekörbe oder Erdwärmekollektoren. Diese reichen nur wenige Meter tief in die Erde und können in der Regel auch in gelben und roten Gebieten gefahrlos installiert und betrieben werden.

Die neue Ampelkarte und weitere Informationen sind auf der Homepage des Landkreises unter http://www.lrabb.de/Erdsonden im Internet abrufbar.