Erdhebungen

Drei von vier Sonden sind undicht

Erdhebungen: Auch im südlichen Gebiet treffen die Experten auf defekte Erdwärmebohrungen - Sanierungen werden notwendig

  • img
    Die Folgen der Erdhebungen sind dramatisch. Im Keller eines mittlerweile unbewohnbaren Hauses in der Feldbergstraße stemmen Stützen das Mauerwerk. Ob die defekten Erdwärmebohrungen die Hebungen hervorgerufen haben, muss noch endgültig bewiesen werden KRZ-Foto: Simone Ruchay-Chiodi

Nach der Untersuchung der Erdwärmesonden an vier Bohrlöchern im südlichen Hebungsgebiet zwischen dem Alten Friedhof und der Eichendorffschule erhärtet sich der Verdacht, dass die Geothermiebohrungen Ursache für die Erdhebungen in Böblingen sind.

Artikel vom 23. April 2014 - 16:54

BÖBLINGEN. Wie berichtet haben die Experten einer Spezialfirma auch im zweiten Erdhebungsgebiet versucht, über die verdächtigen Bohrsonden mit Messinstrumenten in die Tiefe zu gelangen. Nun liegen die Ergebnisse für vier Bohrlöcher auf zwei Grundstücken vor.

Wie das Landratsamt mitteilt, scheinen zumindest drei der vier Bohrungen undicht zu sein. In einem der Bohrlöcher drang das Gerät für die Dichtemessungen nur bis zu einer Tiefe von 40 Metern vor. Mit den anderen Messverfahren konnten jedoch alle vier Bohrlöcher, die jeweils eine Tiefe von 80 Metern aufweisen, mit den Messinstrumenten befahren werden.

Ein Gremium aus Fachleuten von Umweltministerium, Landesamt für Geologie und Bergbau, Landratsamt sowie Beteiligten und Betroffenen hat die Ergebnisse dieser Bohrungen jetzt analysiert. Die übereinstimmende Schlussfolgerung lautet, dass nach jetzigem Stand für drei Bohrungen ein Sanierungsbedarf bestehe. "Wir müssen nun prüfen und mit Bohrexperten abstimmen, wie wir in der vorliegenden Situation baldmöglichst mit der Sanierung beginnen können", erklärte Landrat Roland Bernhard.

Ob die auffälligen Bohrungen für die Erdhebungen und die Gebäudeschäden verantwortlich sind, ist mit den jüngsten Erkenntnissen noch immer nicht juristisch eindeutig geklärt, obwohl dieser Zusammenhang immer wahrscheinlicher wird. Endgültige Beweise sollen jeweils eine Erkundungsbohrung und eine Grundwassermessstelle in beiden Hebungsgebieten liefern. Die seien notwendig, um die Gegebenheiten unter der Erde noch detaillierter zu ermitteln, heißt es. Nur mit diesen weiteren Erkenntnissen könnten die Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Versicherungen der Verursacher zur Entschädigung bereit seien, sagt der Pressesprecher des Landratsamtes, Dusan Minic.

"Um das weitere Vorgehen zu beschleunigen, sollen diese Maßnahmen parallel zu den Sanierungen geplant und ausgeführt werden", verspricht der Leiter des Amtes für Wasserwirtschaft, Jochen Weinbrecht. Nach Auskunft der Fachleute dürfte die Durchführung einer solchen Erkundungsbohrung aufgrund der Vielzahl von kleinen Ausführungsschritten mit dazwischen liegenden Analysezeiten und hohen Sicherheitsmaßnahmen jeweils mehr als sechs Monate dauern. Hinzu kämen weitere geophysikalische Messungen, für die ebenfalls ein sehr langer Vorlauf erforderlich ist. Dies soll ebenso parallel zu den weiteren Planungen angegangen werden. Im Landratsamt rechnet man damit, dass frühestens in einem halben Jahr die Voraussetzungen für eine juristisch haltbare Klärung der Schadensfälle vorliegen könnten.

Die Zeit drängt, die Sanierungen benötigen Vorbereitung

Und wie sieht es mit den Erfolgaussichten der Sanierungen aus? Die bisherigen Erdhebungsfälle zeigen, dass dies mitunter eine heikle Sache ist: Viele Erfahrungen gibt es noch nicht, jede Bohrung könnte theoretisch also ein anderes Verfahren erfordern. Vorsichtige Zuversicht hegt Dusan Minic immerhin beim Blick auf die bisher untersuchten Bohrlöcher im Süden. "Dort ist es gelungen, bei allen vier Bohrungen bis ganz hinunter zu kommen", sagt er. Dadurch könnte es möglich sein, dass bei der Sanierung aus verschiedenen Verfahren ausgewählt werden kann. Die größten Hoffnungen ruhen immer noch auf dem sogenannten minimal-invasiven Vorgehen, bei dem die Sanierungsexperten in der bestehenden Sonde bis an den Defekt herankommen, um diesen zu reparieren.

Auch bei der auffälligen Bohrung im Norden, bei der es bisher nicht gelungen war, an den Endpunkt in 125 Metern Tiefe zu kommen, herrscht wieder etwas mehr Zuversicht. Die zuständige Bohrfirma hat zwischenzeitlich getestet, ob die Sondenschläuche mit feingliedrigeren Instrumenten befahren werden können. "Mit einem Bolzen von geringem Durchmesser konnte die Bohrfirma tiefer als bisher vordringen", erläutert Jochen Weinbrecht.

Auf keine Zeithorizonte möchte man sich im Landratsamt indes einlassen, wenn es um die Dauer der Sanierungen geht. Fest steht nur, dass die Zeit drängt, da die Hebungen fortschreiten und sich weiter ausdehnen, solange die Ursachen nicht beseitigt sind. Vorher können auch die beschädigten Häuser nicht renoviert werden. "Die Planungen für eine Sanierung dauern mehrere Monate", sagt Dusan Minic, die Sanierung selbst könne im Optimalfall dann schnell über die Bühne gehen.

Auffälligkeiten analysieren, Erkundungsbohrung vornehmen und parallel dazu Sanierungen planen laute daher das Vorgehen der Behörden.