Fernwärme-Streit in Böblingen

Stadtwerke Böblingen wehren sich gegen Vorwürfe

"Informationen statt Wertungen": Institution reagiert auf Kritik der IG Fernwärme

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    Bauarbeiten in der Pontoiser Straße im Mai: In der jüngeren Vergangenheit hatten Rohrbrüche große Wasserverluste im Netz zur Folge, behaupten die Stadtwerke Foto: Thomas Bischof

Artikel vom 26. Juni 2017 - 16:00

BÖBLINGEN (red). Der Konflikt der Stadtwerke Böblingen mit der IG-Fernwärme, die die Fernwärmekunden in der Stadt vertritt, schwelt weiter. In einer Pressemitteilung mit der Überschrift "Verkehrte Welt" hat die IG vor Kurzem den Stadtwerken unter anderem vorgeworfen, kleine Leitungsbrüche zu ernsthaften Problemen im Rohrleitungssystem hochzustilisieren, um die teure Sanierungsbedürftigkeit zu verdeutlichen. Nun antworten die Stadtwerke auf diese Vorwürfe.

Im Gegensatz zu anderen Unternehmen redeten sich die Stadtwerke Böblingen gerne schlecht, lautete eine Vorhaltung. "Richtig ist", entgegnen die Stadtwerke, "dass wir in der jüngeren Vergangenheit Rohrbrüche hatten, die große Wasserverluste im Netz zur Folge hatten. In unserem Bemühen um mehr Öffentlichkeitsarbeit und Transparenz haben wir jeweils schnell betroffene Anwohner und auch Medien informiert." Der Fokus liege auf Information, nicht auf Wertungen. Rohrlöcher aufzubauschen, sei nicht die Absicht der Stadtwerke, heißt es weiter. Bei der kritisierten Leckage in der Teinacher Straße sei in kurzer Zeit ein Wasserverlust von 15 000 Litern aufgetreten. Auch sei es nicht richtig, dass die Stadtwerke, so der Vorwurf, die Fernwärmeversorgung massiv ausbaue und ohne Rücksicht auf die Wirtschaftlichkeit neue Gebiete wie zum Beispiel das Industriegebiet Hulb mit Fernwärme versorge.

Das Klimaschutzkonzept der Stadt Böblingen verfolge das Ziel, die Fernwärme in Böblingen auszubauen - aber nur dort, wo es wirtschaftlich sinnvoll sei - zum Beispiel im Quartier Rauher Kapf. Der Ausbau auf der Hulb sei ebenfalls Thema, aber noch nicht beschlossen, heißt es dazu in der Pressemitteilung der Stadtwerke.

Nicht stehen lassen möchten die Stadtwerke, dass die Zwangskunden im Fernwärme-Satzungsgebiet die Erweiterung des Netzes bezahlen müssten. Eher das Gegenteil sei der Fall, so die Stadtwerke: Neue wirtschaftlich interessante Kunden sollten "die herausfordernde Struktur im Satzungsgebiet" in Zukunft ausgleichen. Dass sich ein Stadtwerke-Team mit dem Ausbau des Fernwärme-Absatzes beschäftige, sei folgerichtig angesichts der schwierigen Abnahmestruktur des Netzes. "Dies wäre auch in jedem vergleichbaren Unternehmen selbstverständlich", schreiben die Stadtwerke.

Zum Abschluss wehren sich die Stadtwerke gegen den Vorwurf, dass die in der Eugen-Bolz-Straße verlegten 300 Rohre anderen Zwecken dienten als der Sicherstellung der Fernwärme-Versorgung. "Richtig ist, dass die Transportleitung vom Restmüllheizkraftwerk zum Heizwerk Grund in einigen Bereichen nicht zukunftsfähig ist", heißt es. Dieser Teil der "Herzschlagader" könne nicht im laufenden Betrieb ausgetauscht werden. Darum habe die Leitung gebaut werden müssen.