Böblingen verändert sich

Managt Mercaden auch die ARA-Passage?

Württembergische nimmt Umbau für Anbindung an neues Einkaufszentrum in Angriff und kündigt Mietern - Funkstille bei City-Center

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    Rechts und hinten stehen Läden leer - das soll sich mit der Anbindung der ARA-Passage an die Mercaden ändern. Der Kunde soll sich wie in einem Center fühlen. KRZ-Foto: Simone Ruchay-Chiodi

Das künftige Einkaufszentrum Mercaden reckt bereits die ersten Betonpfeiler in den Himmel. Nun kommt auch Bewegung in die benachbarte ARA-Passage. Um die Anbindung herstellen zu können, hat der Eigentümer Mietern zum Jahresende gekündigt.

Artikel vom 25. Mai 2013 - 15:30

BÖBLINGEN. Die einen zittern, die anderen hoffen und bangen - nur an Aktivitäten in den benachbarten Einkaufszentren hat es bisher auffällig gemangelt. Doch kaum ist der Grundstein für die 24 400 Quadratmeter Verkaufsfläche des Mercaden gelegt, da dringen Nachrichten aus der Nachbarschaft in die Öffentlichkeit. Die Eigentümer der unmittelbar angrenzenden ARA-Passage haben mit Kündigungen für Mieter einen ersten Schritt zum Umbau der angrenzenden Laden-Passage getan. Was einst unter dem Namen der Allgemeinen Rentenanstalt (ARA) errichtet wurde, gehört längst zum W & W-Konzern. Die Württembergische Lebensversicherung hat erst Schlagzeilen gemacht, als sie die Calwer Passage an den Stuttgarter Investor Ferdinand Piëch verkaufte. Nun will sie wohl in Böblingen Geld in die Hand nehmen, um ihre Immobilie an das neue Einkaufszentrum anzudocken.

"Alle am Thema Beteiligten (HKM, Württembergische Lebensversicherung und Stadt Böblingen) haben den Wunsch geäußert, einen Verbindungssteg zwischen den Centern ARA-Passage und Mercaden herzustellen. Hierzu ist die Württembergische mit HKM und der Stadt im Gespräch. Ziel aller Beteiligten ist es, dem Kunden auch bautechnisch das Gefühl zu geben, sich im gleichen Center zu bewegen", heißt es dazu aus der Pressestelle des Finanzkonzerns in Stuttgart. Die Entscheidung hat Folgen: "Da der geplante Steg unmittelbar an die Mietflächen der ARA-Passage andockt und somit die Mietflächen teilweise neu zugeschnitten werden müssen, wurde Mietern - soweit notwendig - zum Jahresende gekündigt."

Welchen Mietern das Kündigungsschreiben ins Haus geflattert ist, möchte die Württembergische nicht mitteilen. Auf Nachfrage versichert Strauss, dass man "einen langfristigen Mietvertrag hat". Der Bekleidungs- und Lifestyle-Anbieter im Erdgeschoss der Passage bestätigt allerdings, dass er "alle Optionen prüft", auch einen Umzug in die Mercaden. Denn künftig liegt das Geschäft an der Uhlandstraße etwas im "Windschatten", auch wenn der Lieferverkehr für das Mercaden über die Brumme-Allee ein- und die Talstraße ausfährt.

Betroffen sind auf jeden Fall die Läden in der Nähe der künftigen Anbindung an den Neubau. Auch die Europa-Apotheke gehört dazu. Nach 40 Jahren bedeutet dies wohl das Aus für den Betreiber Dietrich Hemmer - eine Alternative im Bestand sieht er für sein Geschäft nicht. Die Mietflächen sollen laut Württembergische "modernisiert werden, um das Niveau im Bereich der bisherigen ARA-Passage an das Niveau im Mercaden möglichst anzupassen". Bereits im Sommer gibt Dominik Böhm seinen Frisiersalon auf - er zieht nach Sindelfingen in die Riedmühlestraße. Nach wie vor jedoch hat die Kreissparkasse zwei Läden in ihrem Miet-Portfolio stehen, einen mit 79 Quadratmeter zu 1185 Euro Miete unmittelbar am Ausgang und einen mit 639 Quadratmeter zu 8987 Euro - der beherbergte zuletzt einen 1-Euro-Markt.

Wollen Eigentümer das City-Center verkaufen?

Wie substantiell der Umbau ausfallen wird, ist von der Württembergischen nicht zu erfahren. Dies sei noch nicht abschließend entschieden. Die Rolltreppe vom Erdgeschoss in das erste Obergeschoss soll aber erhalten bleiben. Die Haustechnik der Passage soll sich aber nach Informationen der KRZ in einem relativ schlechten Zustand befinden. Von Wasserschäden bis hin zu Heizungsproblemen ist die Rede. Die Technik werde bei Bedarf aber saniert, betont die Württembergische.

Eins scheint für die Stuttgarter Versicherer aber auch festzustehen: "Es ist ein einheitliches Centermanagement geplant, um einen einheitlichen Auftritt zu gewährleisten. Hierzu ist die Württembergische Lebensversicherung in enger partnerschaftlicher Abstimmung mit Herrn Krämer. Im Sinne des geplanten einheitlichen Auftritts der Center ist eine gemeinsame Fertigstellung vorgesehen." Noch aber hat Herbert Krämer, der Mercaden-Investor, keinen Vertrag über den gemeinsamen Betrieb abgeschlossen. In die Verhandlungen mit der HKM von Herbert Krämer ist das City-Center seinen Angaben zufolge nicht einbezogen. Auch die ARA-Eigner "verhandeln direkt mit HKM" - ohne das City-Center.

Was für Krämer durchaus ein Problem darstellt: "Die Kunden können doch nicht differenzieren zwischen ARA und City-Center." Tatsächlich markiert eine Metallschiene im Boden den Übergang der beiden Immobilien im Bereich zwischen Zeemann und dem Nagelstudio - die ist erst auf den zweiten Blick erkennbar. Zum City-Center gibt es jedoch laut Krämer "keinen Kontakt". In der Branche ist aber von Verkaufsabsichten die Rede - wobei von relativ hohen Preisforderungen gemunkelt wird.

Wenn die Württembergische ihre Umbaupläne ab dem kommenden Jahr realisiert, wäre laut Krämer eine gemeinsame Eröffnung zu schaffen.