Böblingen verändert sich

Radfahrer und Fußgänger haben wieder freie Fahrbahn

Das Land hat Brücke übers Aichtal für rund 900 000 Euro neu aufgebaut

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    Feucht-fröhliche Einweihung der neuen Fußgänger- und Radlerbrücke: Staatssekretärin Gisela Splett (links), Bürgermeister Michael Lutz (Mitte) und Regierungspräsident Johannes Schmalzl kamen per Pedelec KRZ-Fotos: Simone Ruchay-Chiodi

Radler, Inlinefahrer, Wanderer und Spaziergänger haben sie schon seit Pfingsten genossen: Die neu erbaute Brücke über die Landesstraße 1185 bei der Burkhardtsmühle ist fertig. Gestern Nachmittag wurde sie von den Bauherren und -damen zeitgemäß auf Elektrofahrrädern freigegeben.

Artikel vom 05. Juni 2012 - 15:00

WALDENBUCH. Selbst ein Regenguss konnte die Offiziellen auf ihren E-Bikes nicht abhalten, nur etwas verzögern: Verkehrs-Staatssekretärin Gisela Splett, Regierungspräsident Johannes Schmalzl und Waldenbuchs Bürgermeister Michael Lutz samt einem runden Dutzend Bürgerinnen und Bürgern nahmen die Strecke vom Waldenbucher Marktplatz bis zur zwei Kilometer entfernten neuen Brücke trotz leichten Regens unter die Reifen. "Die Figuren und Frisuren sitzen", stellte Waldenbuchs Stadtchef befriedigt fest, als er nach der Überfahrt über die Brücke ans nasse Rednerpult trat - da tröpfelte es nur noch.

Die Brücke wurde 1928 von der Bahn gebaut, sie hat Waldenbuch bis in die 50er Jahre an die Filder angeschlossen. Eine Zeit, an die sich einer der Einweihungsgäste noch gut erinnert, als das Zügle noch am Bahnhof Glashütte hielt und der Waldenbucher Bahnhof logischerweise in der Bahnhofstraße war. Einmal sei über Nacht die Lok geklaut worden: Mit dem Restdampf seien die vermutlich eisenbahngeschulten Spaßvögel immerhin bis Musberg gekommen.

Die alte Brücke war einsturzgefährdet und seit längerem gesperrt. Die neue ist das Bindeglied zwischen Filderraum und dem Naturpark Schönbuch, wie Bürgermeister Lutz betont. Und damit vor allem für die Freizeitgesellschaft ein Vehikel, um umweltfreundlich die Natur genießen zu können entlang der schönen Strecke durchs Siebenmühlental mit seinen elf Mühlen und jetzt fünf sanierten Brückenbauwerken. Mit der sanierten L 1185, der ebenfalls aufgewerteten Kreuzung an der Burkhardtsmühle mit verlängerter Linksabbiegespur in Richtung Plattenhardt und eben der neuen Fußgängerbrücke seien auch die Verbindungen in den Landkreis Esslingen attraktiver geworden.

Staatssekretärin Gisela Splett nutzt als Financier der Brücke die Gelegenheit, für das Radwegkonzept der grün-roten Landesregierung zu werben. Baden-Württemberg soll demnach Pionier-Region für nachhaltige Mobilität werden mit einem verbesserten ÖPNV, einer Vernetzung der verschiedenen Verkehrsmittel und als drittem Schwergewicht der Förderung des Fahrrads als Verkehrsmittel überhaupt. Bei Strecken unter fünf Kilometer nämlich, so die Grünen-Verkehrsexpertin und Landtagsabgeordnete, sei das Fahrrad in der Regel allen anderen Verkehrsmitteln überlegen. Ziel sei deshalb, den Radverkehrsanteil auf 20 Prozent zu erhöhen. Das solle erreicht werden durch den Ausbau von Radwegen, durch Kampagnen und bessere Routenplanung und durch ein Verkehrssicherheitskonzept.

Mehr Geld soll es schon in diesem Jahr geben. Und zwar soll aus den 160 Millionen Euro Strukturfördermitteln des Bundes der Ausgabenschwerpunkt für Straßen von 60 auf 40 Prozent gesenkt und die Waage zugunsten des ÖPNV entsprechend erhöht werden. Zehn Millionen seien das schon in diesem Jahr mehr als bisher, drei davon fließen in den Radverkehr und davon wiederum die Hälfte in Radwege an Landesstraßen.

Unwetter brachte 1955 das Ende des Bahnverkehrs nach Waldenbuch

Aus dem bisherigen Topf sind für den Brückenneubau und die Sanierung der kleineren Brücke im weiteren Verkauf Richtung Glashütte bereits 900 000 Euro geflossen. Drei weitere Brücken des von vielen Radfahrerinnen und Radfahrern genutzten Bundeswanderwegs durchs Siebenmühlental wurden mit weiteren 1,05 Millionen auf Vordermann gebracht, so Regierungspräsident Johannes Schmalzl. Und er verwies darauf, dass die Strecke seit Oktober 2010 durch ein Naturschutzgebiet führt. Irgendwie hat es da nachträglich doch sein Gutes, dass die Bahn nach einem große Schäden verursachenden Unwetter 1955 den Betrieb auf der Strecke eingestellt hat.