Historisches vom Flugfeld

Vor 90 Jahren landete der erste Linienflieger in Böblingen

Zwischenstopp auf dem Böblinger Flughafen - Mit fünf Passagieren ins europäische Luftnetz

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    Fertigmachen zum Abflug: Die Fokker-Grulich wird am Böblinger Flughafen für den Weiterflug nach Zürich bepackt Fotos: Lufthansa-Archiv

Es war der 6. April 1926 als auf dem Böblinger Flughafen eine Maschine ankam, die der Stadt Europa ein Stück näher brachte. An jenem Donnerstag landete der erste Linienflieger, der von Berlin nach Zürich unterwegs war, auf dem Rollfeld: Böblingen war Bestandteil des internationalen Flugnetzes.

Artikel vom 06. April 2016 - 04:35

BÖBLINGEN. Otto Bebekuhl setzte den Fokker-Grulich-Hochdecker um 12.40 Uhr auf die Böblinger Erde. An Bord hatte der Flugzeugführer fünf Passagiere, darunter ein frisch getrautes Ehepaar auf der Reise in die Flitterwochen. 140 Reichsmark pro Person kostete die Reise von der deutschen Hauptstadt in die Schweizer Metropole. Der Flug über Böblingen war gleichzeitig der Auftakt zum Sommer-Flugbetrieb, denn in den ungeheizten Flugzeugen war es damals nicht möglich, im Winterhalbjahr zu fliegen.

Erst drei Monate vorher wurde die Geschäftsgrundlage für die Fluglinie gelegt. Am 6. Januar 1926 fusionierten die beiden bis dahin in großer Konkurrenz zu einander stehenden Fluggesellschaften Deutscher Aero Lloyd und die Junkers Luftverkehr AG zur Deutschen Luft Hansa, deren Worte erst ab 6. Juni 1933 zur Lufthansa zusammengefügt wurden. Der Basisflughafen war Berlin-Tempelhof, von wo aus am 6. April 1926 der erste planmäßige Passagierflug startete. Er führte über Halle/Saale, Erfurt, Stuttgart-Böblingen nach Zürich-Dübendorf. Kurz darauf wurden von Böblingen weitere Strecken erschlossen. Bereits am 12. April ging es planmäßig nach Plauen und nach Basel.

Somit öffnete sich der Flughafen in Böblingen immer mehr für Flüge in dem weltumspannenden Flugnetz der Lufthansa. Dies bedeutete einen wirtschaftlichen Aufschwung für das Oberamtsstädtchen. Im April 1926 zogen sich auch die Schwäbischen Hüttenwerke mit ihren Produktionsgebäuden aus dem Fluggelände zurück und machten Platz für eine Ausdehnung des Flugbetriebes. Die Luftverkehr Württemberg (LUWAG) übernahm in Fusion mit der Eigentümerin, der Böblinger Werft AG, das Kernstück des Flughafens. Dadurch entstanden für viele Böblinger Arbeitsplätze.

Auch die Infrastruktur wurde den Anforderungen eines modernen Flugbetriebes angepasst. Im Sommer wurde das Empfangs- und Verwaltungsgebäude gebaut. Dieses Bauwerk hat die Zeit bis heute überstanden und steht mittlerweile unter Denkmalschutz. Demnächst wird das Gebäude frisch saniert und erweitert als Gaststätte, Erinnerungsort und Standort eines Flugsimulators wieder eröffnet.

Die regelmäßigen Besuche der Linienflieger benötigten auch jemanden, der sich um die Verwaltung der Flüge und allem, was dazugehörte, kümmerte. Die Böblingerin Else Kopp (geborene Wagner) wurde ebenfalls im Jahr 1926 im neu eröffneten Luft-Hansa-Büro als erste weibliche Mitarbeiterin auf dem Flugplatz angestellt wurde. Ihr Aufgabengebiet umfasste außer der üblichen Büroarbeit auch das Schreiben der Berichte über die Flugzeugwartungen in der Werft, Buchungen für Flüge, Abstimmung mit dem Reisebüro Stuttgart, Personalangelegenheiten und die gesamte Buchhaltung.