Historisches vom Flugfeld

Die Pioniere der Lüfte standen in Böblingen

In den 1930er Jahren bot die Stadt als Standort des "Deutschen Luftfahrtmuseums" Einblick in die Zeit, als die Menschen fliegen lernten

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    Als Kleinstadt Standort für eine große Schau: Böblingen beherbergte in den 1930er Jahren in einem Baracken-Komplex am Landesflughafen (rot eingerahmt) das "Deutsche Luftfahrtmuseum" F: Archiv

Wer hat's gewusst? Von 1931 bis Mitte 1935 war in Böblingen eine der größten deutschen Flugzeug- und Motorensamm- lungen Deutschlands im "Deutschen Luftfahrtmuseum" beheimatet war. Die AG Böblinger Flughafengeschichten begab sich auf Spurensuche.

Artikel vom 07. November 2013 - 10:00

BÖBLINGEN (red/mis). Da, wo heute auf dem Flugfeld Hightech-Forschung im "Forum 1" betrieben wird, befanden sich mehrere Baracken, die den schmucklosen Standort des Museums abgaben.

Man schrieb das Jahr 1929, als bei der Suche nach einem geeigneten Standort, Böblingen sich in der glücklichen Lage befand, dem Deutschen Luftfahrtmuseum eine Halle aus dem 1. Weltkrieg für die Ausstellung zur Verfügung stellen zu können. Die Sammlung wurde damals von der deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt in Berlin-Adlershof nach Böblingen überführt. Die Halle bot reichlich Platz, um die Museumsstücke übersichtlich und gut geordnet aufstellen zu können.

Die Schau wurde am 13. Juni 1931 eröffnet und bot Exponate aus der Zeit, als die Menschen fliegen lernten: Albatros, Jeannin-Taube, die ersten Fokker-Maschinen, die Junkers-Stahlkonstruktionen, der Dreidecker des Kriegspiloten von Richthofen sowie ein Albatros C IX waren Zeugnisse aus der Pionierzeit der Fliegerei. Neben Jagdflugzeugen waren die Rumpler-Bildflugzeuge sowie die ausländischen Spads, Bleriots und Nieuports ausgestellt. Außerdem wurde eine große Anzahl von Modellen, Flugmotoren, Propellern, Tragflächen und fotografischen Apparaten gezeigt. Schnell wurde deutlich, dass mit dem Museum bereits in den 1930er Jahren ein Publikumsmagnet in Böblingen angesiedelt war: In den ersten fünf Wochen nach der Eröffnung hatte das Museum schon mehr als 3500 Besucher, Ende August 1934 wurde der 20 000. Besucher registriert.

Bereits ein Jahr später war dann das Gastspiel des Luftfahrtmuseums in Böblingen bereits beendet. Im Zuge der Zusammenlegung der einzelnen deutschen Luftfahrtmuseen und Ausstellungen wurde im April 1935 die komplette Böblinger Sammlung zur Berliner "Deutschen Luftfahrtsammlung" am Lehrter Bahnhof verlegt.

Anhand der Jeannin-Stahltaube A.180/14, des einzigen noch existierenden Flugzeuges aus der "Deutschen-Luftfahrt-Austellung" in Böblingen - eine Maschine, die heute noch im Deutschen Technik-Museum in Berlin zu bewundern ist, haben die Macher der AG Böblinger Flughafengeschichten (siehe Hintergrund) die "Odyssee" der Böblinger Sammlung rekonstruiert.

Die "Jeannin" wurde ab 1914 von dem bekannten Flieger Emil Jeannin in seinem Werk in Berlin-Johannisthal gefertigt und beim Militär als Schul- und Aufklärungsflugzeug eingesetzt. Das jetzt noch erhaltene Exemplar wurde wahrscheinlich ab Juli 1931 erstmals in Böblingen und anschließend in Berlin ausgestellt. Vorher wurde sie dort überholt und in einen ausstellungsfähigen Zustand gebracht. Wegen der zunehmenden Luftangriffe ab der Jahresmitte 1943 wurde der größte Teil der Berliner Sammlung nach Pommern verlagert.

Nach Kriegsende wurde die aufgefundene Sammlung von Polen als Kriegsbeute betrachtet und erstmals in Posen und Breslau zwischengelagert. Nach Gründung des polnischen Museums für Luft- und Raumfahrt kam sie dann 1963 nach Krakau.

Im Mai 1982 wurde in Berlin das Museum für Verkehr und Technik gegründet. Im selben Jahr bekamen die Berliner Museumsarchäologen davon Kenntnis, dass sich Teile der vor 1944 in Berlin ausgestellten Luftfahrtsammlung in Krakau befanden. Es begannen langwierige Verhandlungen einer künftigen Zusammenarbeit. Am 17. Januar 1986 wurde ein Vertrag unterzeichnet, die Albatros und die Jeannin-Stahltaube historisch getreu wiederherzustellen.

Die "Stahltaube" steht jetzt in Berlin

Von den 23 noch vorhandenen Flugzeugen der ehemaligen Berliner Sammlung wurden diese zwei Maschinen bis Jahresende 1986 restauriert. Die Albatros wurde später wieder nach Krakau zurückgeführt, die Jeannin-Stahltaube, das einzige noch erhaltene Jeannin-Flugzeug, ist heute eines der Schmuckstücke der Berliner Sammlung.

Weitere in Berlin zu besichtigenden "Böblinger Flugzeuge" sind eine der drei Halberstadt C, konstruiert von den Halberstädtern Flugzeugwerken als Höhen-und Langstreckenaufklärer und drei Flugzeuge des Böblinger Konstrukteurs Hanns Klemm. Zu den Exponaten gehört eine L25 aus der Anfangszeit - eines der bekanntesten Sport- und Schulflugzeuge sowie eine KL35 D, ein später entwickeltes und ebenfalls sehr bekanntes Schulflugzeug. Beide wurden in den Jahren zwischen 1928 und 1943 in Böblingen gebaut. Eine KL107 steht ebenfalls in Berlin. Dieses Flugzeug wurde ab 1956 von der Hanns-Klemm Flugzeugbau und Bölkow-Entwicklungen in Nabern als Reiseflugzeug gefertigt.