Historisches vom Flugfeld

Die Anfänge als Militärflughafen

Wahl des Württembergischen Kriegsministeriums fiel 1915 auf Böblingen - Fertigstellung war 1917

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    Blick auf Bahnhof und Flugplatz, ca. 1915

Artikel vom 23. September 2010 - 16:30

BÖBLINGEN (red). Mit dem Ausbruch des ersten Weltkriegs im August 1914 war das Deutsche Reich gezwungen, auf allen Gebieten zu rüsten: zu Land, zu Wasser und in der Luft. Württemberg besaß zu jener Zeit keinen eigentlichen Flugplatz. So überlegte man sich im Württembergischen Kriegsministerium, wo der Militärflughafen errichtet werden könnte. Es stand nur fest, dass er sich in der Nähe des Generalkommandos Stuttgart befinden müßte.

"Das lange Feld" bei Ludwigsburg lehnte das Kriegsministerium als "Kornkammer" Württembergs ab, die Verhandlungen mit Fellbach scheiterten wegen des zu hohen Preises für Grund und Boden. Seine weiteren Erkundungen erstreckten sich bald auf die Stadt Böblingen und Umgebung. Nachdem das Gelände am 12. Mai 1915 besichtigt wurde, kam mit der Stadtverwaltung Böblingen bald eine Einigung zustande. Das Gelände war eine weite Fläche, "Im Ranktal" genannt, zwischen Böblingen, Sindelfingen und Dagersheim - eine kilometerlange, vorwiegend aus Wiesen bestehende Ebene. Bei länger anhaltendem Regen glich das Gelände aber eher einem großen See, und so war eine großzügige und durchgreifende Entwässerung erforderlich.

Am 27. Mai besichtigte dann der Württembergische Kriegsminister und General der Infanterie, Otto von Marchtaler, das Gelände. Kurz darauf wurde der Grund zu einem Kaufpreis von 0,40 Reichsmark pro Quadratmeter durch das Reich erworben. Bevor es zu diesem Kauf kam, hoffte auch Herrenberg auf den Flughafen. In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass Sindelfingen auch einige Quadratmeter für den Böblinger Flugplatz beigesteuert hatte und dafür durch militärische oder gewerbliche Anlagen entschädigt werden wollte. Die Daimler-Motorengesellschaft in Untertürkheim war für diesen Platz interessiert und erwarb ihn zur Errichtung von Fabriken und Fliegerübungen. 1926 entwickelte sie sich zur Daimler-Benz AG und beschäftigte Ende des Ersten Weltkriegs schon 5.000 Arbeiter.

Nachdem Offiziere nochmals das Gelände auf seine Eignung geprüft hatten, erschienen am 16. Juli 80 Soldaten und Handwerker um Unterkunftsbaracken aufzurichten. Der Platz, der das Rollfeld werden sollte, wurde mit Hilfe von kriegsgefangenen Franzosen und Engländern in einen vorläufig einigermaßen brauchbaren Zustand gebracht. Bald rückten noch weitere 400 Mann bei der Arbeitskompanie der Fliegersatzabteilung 10 ein.

Am 16. August wurde der neue Flugplatz eingeweiht, Stadtschultheiß Dingler hielt dabei die Festansprache. Weitere Hallen schossen anschließend schnell aus dem Boden. Die Zelte, die als Übergangslösung dienten, verschwanden. Schon im Herbst 1915 landeten die ersten Heeresflugzeuge aus der Fliegerabteilung Gotha. Die Rekruten zogen in die Baracken ein, die aber nicht ausreichten. So wurden sie auch anfänglich im Schönbuchsaal, in der Möbelfabrik Renz und in Privatquartieren untergebracht. Ihre Flugzeuge waren zunächst in fünf großen Zelten untergebracht, denen bald eine große Flugzeughalle und eine zweite große Halle als Flugzeugwerft folgten.

Königlichen Besuch erhielt der Flughafen am 19. Januar 1916 durch König Wilhelm II. von Württemberg. Aufgrund des vorangegangenen Regens war das Flugplatzgelände zu einem großen Sumpf geworden. Für die Besichtigung der Flugzeuge auf dem Flugplatz mussten Holzdielen die königlichen Füße vor Nässe schützen. Dem König wurden auch die Offiziere vorgestellt. Auch die von Musikmeister Maschke gegründete Kapelle der Fliegersatzabteilung 10 begleitete den königlichen Besuch.

Etwa ein Jahr später, am 22. Januar 1917, wurde den übergeordneten Dienststellen gemeldet, dass die Fliegerstation Böblingen gebaut sei, dass heißt mit allen Provisorien. Da sich die Garnison weiter vergrößerte wurde im Herbst 1917 beschlossen, schnellstens weitere Gebäude zu errichten. Die Bauarbeiten wurden bis Kriegsende weitergeführt. Die Gesamtbelegung war bis dahin auf über 4.000 Offiziere und Mannschaften angestiegen. Die Fliegerkompanie hatte die Aufgabe Soldaten am und im Flugzeug auszubilden, die Ausbildung begann im Januar 1916. Die Flugschüler waren in der Regel ausgebildete Soldaten aller Waffengattungen, teilweise auch bisherige Angehörige der Baukompanie und der Rekrutenkompanie. Die Ausbildung dauerte im ganzen sechs bis acht Monate, sie war in zwei Lehrgänge aufgeteilt. Die ausgebildeten Flugzeugbesatzungen wurden hauptsächlich an die Westfront abgestellt.

Mit Auflösung des bestehenden Heeres und Ende April 1919 kam zugleich das Ende des Militärflughafens.


Mit freundlicher Genehmigung der "Flughafengeschichten Böblingen" - http://flughafenbb.wordpress.com/